Kompliment Übung zweite Woche

Im Laufe unserer zweiten Übungswoche lernte Pinot, dass es nichts bringt, sich mit dem Hinterteil an der Wand abzustützen. Sein Vertrauen in mich und meine Möglichkeiten, ihn abzustützen und aufzufangen, wenn er aus dem Gleichgewicht kommt, steigerte sich. So konnte er sich mehr und mehr erlauben, sich von mir schaukeln zu lassen.

Gleichgewicht ist ja nicht wirklich ein Zustand, es muss in jedem Augenblick wieder gefunden werden. In diesen Prozess mische ich mich ein, wenn ich einem Pferd das Kompliment beibringe. Ich treffe Vorkehrungen mit der Trense und der Beinlonge, die mir erlauben, die Körperhaltung des Pferdes massiv zu beeinflussen. Daher ist es notwendig, dass es durch die Erfahrungen, die es dabei macht lernt, dass ich zuverlässig bin und es nicht in Situationen bringe, die es nicht mehr akzeptieren kann. Ich teste permanent aus, wie weit es mir noch folgen kann und versuche die Grenze, bei der es sozusagen Halt schreit, immer weiter hinaus zu schieben. So tasten wir uns Stück für Stück in der Geschwindigkeit, die das Pferd mir erlaubt an den Zustand heran, den wir erreichen wollen. Eigentlich müsste ich sagen, den ich erreichen will, aber im Laufe des Lernprozesses überzeuge ich das Pferd davon, dass das Ziel unser gemeinsames ist. Das Pferd hat ja letztlich auch etwas davon, wenn es das Kompliment lernt. Es trainiert diverse Muskelgruppen bei der Ausführung der Übung, es festigt seine Beziehung zum Menschen und es bekommt Leckerlis. Das sind starke Motivatoren, vordergründig natürlich die Leckerlis.

Im Verlauf unserer Übungen wird aus dem Verhaltensrepertoire, das Pinot in der jeweiligen Übungssituation zeigt, die Verhaltensweise verstärkt, die dem Zielverhalten am nächsten kommt. Dadurch wird sein Antwortverhalten verändert und dem Zielverhalten angenähert. Auf diese Weise lässt sich in dem sich über mehrere Wochen hinziehenden Lernprozess eine sehr präzise und nicht unbedingt von Pferden häufig gezeigte Verhaltensweise – nämlich das Kompliment – vermitteln.

 KomplTag11Skizze1Die Skizze zeigt, wie weit Pinot am Tag 11 gekommen ist. Am 12. Tag habe ich keine Aufnahmen machen können, weil es geregnet hat. An diesem Tag hat Pinot aber super toll mitgemacht, obwohl sein Boxnachbar nicht in seiner Box stand, sondern von seinem Frauchen auf dem Putzplatz direkt neben Pinots Box geputzt wurde.

Am 13. Tag schaffte Pinot es das erste Mal, sein linkes Vorderbein auf dem Boden aufzusetzen. Er bekam einen Schreck, zeigte es aber nicht. Nach außen hin sah es so aus, als sei dieses Aufsetzen für ihn kein Problem. Allerdings zeigten die folgenden beiden Wiederholungen, dass Pinot das Bein heute auf keinen Fall noch einmal aufsetzen wollte. Er ließ sich zwar schaukeln, sorgte aber dafür, dass er nicht so tief kam, dass er noch einmal aufsetzte. Ich war total gespannt, was am 14. Tag geschehen würde. Aber seht selbst in dem kleinen Video (Zeitlupe), was am 14. Tag geschah:

 

Jetzt haben wir also bereits zwei Übungswochen hinter uns und ich habe nicht, wie ich es sonst mache, täglich das Übungsbein gewechselt. Ich bin gespannt, wie sich diese Vorgehensweise auswirkt. Im Laufe der Übungen konnte ich beobachten, dass Pinots Vorderbein, welches für die Abstützung zuständig ist, gezittert hat. Das sieht man auf den Videos gar nicht. Offensichtlich benötigt man dafür eine seitliche Perspektive.

Die Muskulatur des abstützenden Beins wird also durch die Übung in besonderer Weise trainiert. Ich bin gespannt, wie sich der Wechsel auf das andere Bein auswirken wird, wenn Pinot das Kompliment auf der linken Seite beherrscht. Wird er ohne weiteres das auf der linken Seite Gelernte auf seine rechte Seite übertragen können? Wird das linke Vorderbein noch ein besonderes Training benötigen, wenn er das Kompliment rechts ausführen will, soll, kann oder darf?

Ich werde über die gefundenen Antworten berichten.

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Cornelia Lausmann

Hallo, ich bin Conny, gemeinsam mit meinem Pferd Aron habe ich ein spezielles Instrument für Pferde entwickelt. Ich bin begeisterte Pferdeflüsterin, Diplom-Psychologin, Trainerin, Psychotherapeutin (HPG) und Coach. Ich helfe Menschen und Tieren (speziell Pferden) mit besonderen Methoden und Strategien Ihr Leben und ihre Arbeit gesünder und stressarmer zu gestalten sowie ihre Ziele schneller zu erreichen.

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Cornelia Lausmann

Hallo, ich bin Conny, gemeinsam mit meinem Pferd Aron habe ich ein spezielles Instrument für Pferde entwickelt. Ich bin begeisterte Pferdeflüsterin, Diplom-Psychologin, Trainerin, Psychotherapeutin (HPG) und Coach. Ich helfe Menschen und Tieren (speziell Pferden) mit besonderen Methoden und Strategien Ihr Leben und ihre Arbeit gesünder und stressarmer zu gestalten sowie ihre Ziele schneller zu erreichen.

2 Comments

  • Sarah Sauer

    Reply Reply 24. April 2014

    Interessant, wie du da ran gehst. Ich habe im Rahmen eines Zirzensik Wochenendkurses eine andere Art und Weise vorgestellt bekommen, wie das Kompliment eingeübt werden kann. Dabei wurde lediglich mit Karotten gearbeitet, die von hinten zwischen den Vorderbeinen gefüttert wurden. Immer ein Stückchen weiter hinten, bis das Pferd den Rücken ganz rund macht, um an die Karotte zu gelangen. Als zweiter Schritt wurde dann ein Vorderbein ähnlich wie beim Hufauskratzen angewinkelt und dabei abgelegt. Die Arbeit mit der Beinlonge kannte ich in diesem Zusammenhang nicht. Toll, wie Pinot sich darauf einlässt und wie gelehrig er ist!

    • Cornelia Lausmann

      Reply Reply 24. April 2014

      Das Kompliment lediglich mit Karotten füttern einzuüben ist einfacher. Es erfordert weniger Erfahrung, dauert allerdings in der Regel länger. Mit der Beinlonge habe ich mehr Einfluss auf das Pferd und es lernt, mir zu vertrauen.

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